Innovativ: Keylearnings & Insights aus dem ZLL

Nachhaltigkeit
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Drei Personen präsentieren vor einer Menschenmenge, hinter ihnen ein Monitor

Was geschieht, wenn man den Open-Innovation-Ansatz aktiv lebt? Das zeigt das ZFV-Living Lab (ZLL). Als Plattform für Innovation bietet es Lern- und Testumgebungen für das Erproben nachhaltiger Ideen in Gastronomiebetrieben unter realen Bedingungen. Mit Innovation Calls ruft das ZLL Start-ups zur Bewerbung auf. Das Ziel: Innovative Lösungen im Bereich Nachhaltigkeit vorantreiben. Wir teilen erste Erkenntnisse und verraten die Vorteile und Herausforderungen beim Testen am Markt.

Die Test- und Lernumgebung des ZLL verändert sich je nach Idee. Wie flexibel muss eine Plattform sein, die auf Open Innovation setzt?

Christian Gerber: Kompromisslos flexibel. Unsere vielseitigen Betriebe bieten dafür eine perfekte Basis. So können wir für jede Idee die ideale Test- und Lernumgebung schaffen. Innovation bedeutet, mit jedem Schritt zu lernen und das Innovationssystem flexibel an neue Erkenntnisse und Bedürfnisse anzupassen. Open Innovation und das Ökosystem-Denken erfordern Mut und Übung. Gleichzeitig dürfen interne Hürden nicht vernachlässigt werden – wir stellen auch unsere eigene Organisation kontinuierlich auf den Prüfstand.

Das ZLL ist ein wichtiger Bestandteil der ZFV-Nachhaltigkeitsstrategie. Welche Erkenntnisse und Erfolge konnten bisher daraus gewonnen werden?

Olga Steiger: Eine klare Fokussierung auf Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit ist essenziell, um gezielt Lösungen zu finden. Deshalb richten wir die Innovation Calls immer auf eine konkrete Aufgabenstellung aus. Beim ersten Innovation Call 2024 hatten wir die Aufgabe noch offener gehalten – eines unserer wichtigsten Learnings: Ein gemeinsames Ziel erleichtert gezieltes Innovationswachstum.

Christian Gerber: Unsere ambitionierten Nachhaltigkeitsziele erfordern mutige, visionäre und hochinnovative Lösungen. Das schaffen wir nur gemeinsam, indem wir unser Wissen mit dem anderer Marktteilnehmender bündeln. Dass das ZFV-Living Lab dafür den richtigen Ansatz bietet, zeigen Erfolgsgeschichten wie FOOD2050 oder FARM TO TABLE. Der Open-Innovation-Ansatz ist elementar, um die nachhaltige Transformation voranzutreiben.

Am Ende des Innovation Calls werden maximal fünf Start-ups ausgewählt, deren Ideen direkt am Markt getestet werden. Was sind mögliche Gründe für Absagen?

Olga Steiger: Wir prüfen vor allem, ob die Ideen ein realistisches Potenzial haben, die vorgegebenen Nachhaltigkeitsziele positiv zu beeinflussen. Eine Lösung kann vielversprechend sein – wenn sie jedoch keine ausreichende Wirkung auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen zeigt, wird sie nicht getestet.

Christian Gerber: Dabei haben wir festgestellt, dass es herausfordernd ist, Lösungen objektiv einzuordnen und miteinander zu vergleichen. Denn die eingereichten Ideen befinden sich meist in völlig unterschiedlichen Entwicklungsphasen – von der ersten Idee bis zum Proof-of-Market ist alles vertreten. Zudem muss die Zusammenarbeit für beide Seiten einen klaren Mehrwert bieten. Es ist uns besonders wichtig, dass sie auf Augenhöhe basiert und alle Beteiligten ihre Stärken einbringen können und gemeinsam lernen.

Welcher Vorteil der ZFV als Unterstützungspartnerin wird besonders geschätzt?

Olga Steiger: Unser klarer Fokus auf Nachhaltigkeit kann für die Start-ups eine zusätzliche Motivation sein, ihre Idee in Bezug auf dieses Thema zu prüfen. Ausserdem bekommen sie von uns eine Einschätzung, wie wir das Nachhaltigkeitspotenzial des Produkts wahrnehmen.

Christian Gerber: Start-ups wünschen sich Zugang zu Expertise und Know-how. Beim letzten Innovation Call 2024 haben wir viel Feedback dazu erhalten. Ressourcen sind weniger der primäre Bedarf – vielmehr geht es um gezielte Unterstützung durch unser Fachwissen. Genau darauf basiert das ZFV-Living Lab. Wir stellen nicht nur unsere 200 Begegnungsorte zur Verfügung, sondern auch unser umfassendes Wissen aus über 130 Jahren Erfahrung.

Frau lächelt in die Kamera, sitzt an einem Tisch im Hintergrund Pflanzen
Eine klare Fokussierung auf Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit ist essenziell, um gezielt Lösungen zu finden. Deshalb richten wir die Innovation Calls immer auf eine konkrete Aufgabenstellung aus.
Olga Steiger Leiterin Nachhaltigkeit
Mann lächelt in die Kamera
Unsere ambitionierten Nachhaltigkeitsziele erfordern mutige, visionäre und hochinnovative Lösungen. Das schaffen wir nur gemeinsam, indem wir unser Wissen mit dem anderer Marktteilnehmender bündeln.
Christian Gerber Leiter Innovationen

Welche Herausforderungen stellt die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeitsziele?

Olga Steiger: Eine der grössten Herausforderungen ist eine klare Definition dessen, was wir suchen und wie wir den Nachhaltigkeitsimpact einer Idee bewerten, wenn sie sich in einem frühen Stadium befindet.

Christian Gerber: Es gibt ein Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Impact. Beide Aspekte zielführend zu vereinen, ist eine komplexe Herausforderung, die wir immer wieder neu diskutieren und angehen.

Was wünscht ihr euch für den aktuellen ZLL-Innovation Call 2025?

Olga Steiger: Ich freue mich, im Rahmen des diesjährigen ZLL-Innovation Calls 2025 näher an unsere Lieferkette heranzurücken und eventuell auch mit unseren bestehenden Partner:innen innovative Lösungen zu suchen. Denn das Ernährungssystem können wir mittelfristig nur gemeinsam transformieren.

Christian Gerber: Mich begeistert die Vielfalt an Food-Lösungen, die bereits heute existieren. Mit vielen arbeiten wir bereits – darunter Luya, Yumame und EggField. Zusätzlich wünschen wir uns jedoch mehr Innovationen, die über den Teller hinausgehen – insbesondere entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Denn wir sehen: Innovation funktioniert nicht isoliert. Daher bauen wir unser Innovationsökosystem konsequent weiter aus. Die Entwicklung und Erweiterung dieses Netzwerks ist für uns essenziell. Das gehen wir unter anderem mit dem ZLL-Innovation Call 2025 an.

Wie kann man sich das Testen am Markt vorstellen? Welche Keylearnings habt ihr aus den bisherigen Testphasen gewonnen?

Christian Gerber: Es gab viele Erkenntnisse. Eine der wichtigsten: Kleine Tests sind essenzielle Entscheidungshilfen. Erste Überprüfungen von Ideen in kleinem Rahmen liefern wertvolle Einblicke, die als Grundlage für mögliche Pilotprojekte dienen.

Der ZLL-Innovation Call 2025 läuft noch bis zum 31. März 2025. Start-ups mit innovativen Ideen können sich hier bewerben: hier geht es zur Bewerbung und allen Infos

 

Beitrag auf Englisch lesen: Catering to innovation: Key learnings from the first edition of the ZFV Living Lab - Swiss Food & Nutrition Valley